Recruiting-Trends 2026: Was Personaler wissen müssen

Recruiting-Trends 2026: Was Personaler wissen müssen

Das Recruiting im Jahr 2026 ist durch tiefgreifende strukturelle Veränderungen geprägt, die sich aus dem anhaltenden Fachkräftemangel, dem demografischen Wandel und steigenden Erwartungen seitens der Arbeitnehmer ergeben. Für Personaler, die dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben möchten, ist es erforderlich, Recruiting nicht isoliert zu betrachten, sondern als integrierten Bestandteil der gesamten Personalstrategie zu verstehen. Neben der Ansprache geeigneter Kandidaten rücken dabei Prozesse, Zusatzleistungen und administrative Effizienz zunehmend in den Fokus.

Technologische und kommunikative Entwicklungen im Recruiting 2026

Arbeitgeber, die ihr Recruiting im Jahr 2026 zukunftsfähig aufstellen möchten, müssen insbesondere technologische und kommunikative Entwicklungen berücksichtigen, die den gesamten Bewerbungsprozess beeinflussen.

EntwicklungBeschreibung
Einsatz von KI und digitalen Recruiting-Systemen
  • Digitale Bewerbermanagementsysteme
  • KI-gestützte Vorauswahlverfahren
  • automatisierte Kommunikation
  • Strukturierung großer Bewerbermengen
  • Verfassen von Stellenanzeigen
  • Analyse von Bewerberprofilen
  • Entwurf von Arbeitsverträgen
Recruiting und Employer Branding als Einheit
  • unkomplizierte, transparente und nachvollziehbare Bewerbungsabläufe
  • Arbeitgeberattraktivität als zentraler Faktor im Employer Branding

Arbeitgeberattraktivität: Weiche Faktoren werden wichtiger

Arbeitnehmer treffen ihre Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber immer seltener ausschließlich auf Basis des Grundgehalts. Zwar ist das Gehalt nach wie vor einer der wichtigsten Faktoren bei der Arbeitgeberwahl, jedoch werden Kriterien wie Flexibilität, Jobsicherheit, Sinnhaftigkeit und Work-Life-Balance immer wichtiger, wie die Kooperationsstudie „Attracting Talent 2024 – Was Arbeitskräfte heute wirklich wollen“ von The Stepstone Group und dem Kienbaum Institut @ISM für Leadership & Transformation gezeigt hat. Angewendet auf die Maslowsche Bedürfnispyramide ergeben sich im Berufsalltag verschiedene Bedürfnisse, die Arbeitgeber erfüllen müssen, um attraktiv für potenzielle Arbeitnehmer zu sein:

Diese Bedürfnisse spielen bei der Bindung bestehender Mitarbeiter und beim Recruiting neuer Mitarbeiter eine Rolle, fallen dabei jedoch unterschiedlich ins Gewicht.

Vergütung und Arbeitsumgebung

Bild: freepik.com/8photo

Auf der Ebene der Grundbedürfnisse nimmt der Faktor Vergütung weiterhin eine zentrale Rolle ein, wobei sich die Gewichtung einzelner Vergütungselemente verschoben hat. Während das Festgehalt vor allem eine bindende Funktion erfüllt, gewinnen variable und flexible Vergütungsmodelle im Recruiting zunehmend an Relevanz.

Relevante Vergütungsaspekte sind unter anderem:

  • individuelle leistungsabhängige Vergütung
  • Benefits und Zusatzleistungen
  • neue Vergütungsmodelle mit steuerlichen Vorteilen
  • Transparenz und Fairness der Vergütungsstruktur

Die Attraktivität solcher Modelle wird in vielen Unternehmen noch unterschätzt. Gerade steueroptimierte finanzielle Zusatzleistungen gewinnen vor dem Hintergrund steigender Lebenshaltungskosten an Bedeutung. Sachbezüge, Gutscheine und vergleichbare Benefits ermöglichen es Unternehmen, zusätzliche Vergütung bereitzustellen, ohne die Fixgehälter dauerhaft anzuheben.

Mitarbeiterkarten nehmen hierbei eine besondere Stellung ein, da sie unterschiedliche Vorteile bündeln und rechtlich klar geregelt eingesetzt werden können. Über Mitarbeiterkarten lassen sich monatliche Sachbezüge strukturiert auszahlen, die unmittelbar nutzbar sind und von Mitarbeitern als realer Mehrwert wahrgenommen werden. Für Personaler entsteht dadurch eine einheitliche, administrativ überschaubare Lösung, die sich unabhängig vom jeweiligen Arbeitszeitmodell einsetzen lässt. Gerade bei Teilzeitstellen und Minijobs bieten Sachbezüge einen entscheidenden Vorteil, da klassische Gehaltsanpassungen hier häufig nur begrenzt möglich sind, Zusatzleistungen jedoch flexibel gewährt werden können. Für Personaler ist es daher sinnvoll, die rechtlichen Rahmenbedingungen von Minijobs genau zu kennen.

Gutscheinsysteme erfüllen eine ähnliche Funktion, sind in der Praxis jedoch oft weniger skalierbar und mit höherem Verwaltungsaufwand verbunden. Mitarbeiterkarten ermöglichen hingegen eine kontinuierliche und standardisierte Umsetzung.

Zur Deckung der Grundbedürfnisse zählt neben der Vergütung auch die Arbeitsumgebung. Dazu zählen insbesondere Verpflegungsmöglichkeiten, ein hohes Urlaubskontingent, gut ausgestattete Gebäude und Arbeitsräume, klare Regelungen bezüglich Überstunden, sowie Standort und Lage des Unternehmens. Trotz hybrider Arbeitsmodelle bleibt ein attraktiver Standort ein relevanter Attraktivitätsfaktor. Mobilitätsangebote wie Jobtickets oder Firmenräder werden dagegen häufig überschätzt, wenn es um die Gewinnung neuer Mitarbeiter geht.

Vorsorge, Versicherung und Arbeitsplatzsicherheit

Auf der Ebene der Sicherheitsbedürfnisse stehen langfristige Stabilität und Absicherung im Vordergrund. Für wechselwillige Personen sind betriebliche Altersvorsorge und Betriebsrente besonders relevant, da sie Planungssicherheit signalisieren. Angebote zur Gesundheitsförderung folgen in ihrer Bedeutung, werden jedoch aus Recruiter-Sicht häufig höher bewertet als von Bewerbern selbst.

Der Faktor Arbeitsplatzsicherheit wird vor allem durch folgende Aspekte geprägt:

Unternehmens- und Teamkultur

Bild: freepik.com/peoplecreations

Soziale Faktoren beeinflussen die Arbeitgeberwahl stärker, als es lange angenommen wurde. Besonders Gleichberechtigung fällt als Attraktivitätsfaktor im Recruiting deutlich ins Gewicht. Aspekte wie Fairness, flache Hierarchien oder eine offene Fehlerkultur wirken sowohl bindend als auch gewinnend und werden in vielen Unternehmen bereits ausgewogen adressiert.

Im Bereich der Teamkultur ist vor allem eine transparente und offene Kommunikation ausschlaggebend. Ergänzend dazu spielen Teamwork und ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl durch Teambuilding-Events eine wichtige Rolle. Unternehmen setzen hier überwiegend die richtigen Prioritäten, was sich positiv auf die wahrgenommene Arbeitgeberattraktivität auswirkt.

Führung, Feedback und Reputation

Die Qualität der Führung ist ein zentraler Hebel für Wertschätzung. Individuelle Anerkennung und Empathie gelten als entscheidende Merkmale guter Führung. Für potenzielle neue Mitarbeiter sind zudem Vorbildfunktion und inspirierende Motivation besonders relevant, da sie Rückschlüsse auf die gelebte Führungskultur zulassen.

Externe Referenzen und Reputation spielen im Vergleich dazu eine geringere Rolle. Entscheidender sind interne Faktoren, insbesondere eine positive und offene Feedbackkultur, die Entwicklung, Dialog und Vertrauen ermöglicht.

Karriere, Entwicklung und Work-Life-Balance

Auf der höchsten Bedürfnisebene steht die Selbstverwirklichung. Für potenzielle neue Mitarbeiter ist Selbstbestimmtheit der wichtigste Faktor, gefolgt von persönlicher Entwicklung und der Sinnhaftigkeit der Tätigkeit. Wechselwillige Personen legen dabei mehr Wert auf die Entwicklung ihrer Fähigkeiten als auf klar definierte klassische Karrierepfade, während Unternehmen häufig noch den umgekehrten Fokus setzen.

Eng damit verbunden ist der Faktor Work-Life-Balance, der zunehmend als Work-Life-Integration verstanden wird. Besonders relevant sind:

  • flexible Arbeitszeiten
  • flexibler Arbeitsort
  • hohe Autonomie in der Arbeitsgestaltung

Diese Aspekte sind nicht nur für Vollzeitkräfte entscheidend, sondern auch für Teilzeitmodelle und Minijobs, bei denen Flexibilität häufig den Ausschlag für oder gegen einen Arbeitgeber gibt. Minijobs spielen im Recruiting 2026 eine größere Rolle, als es lange angenommen wurde. Sie dienen zunehmend als Einstieg in langfristige Arbeitsverhältnisse oder als flexibles Modell für bestimmte Lebensphasen. Für wechselwillige Personen sind dabei klare Regelungen, Transparenz und Verlässlichkeit entscheidende Faktoren.

Zusatzleistungen gewinnen in diesem Zusammenhang an Bedeutung, da sie auch bei geringfügiger Beschäftigung Wertschätzung signalisieren und die Attraktivität eines Angebots deutlich erhöhen können. Steuerfreie Sachbezüge über Mitarbeiterkarten lassen sich rechtssicher auch bei Minijobs einsetzen und ermöglichen eine Differenzierung gegenüber vergleichbaren Stellenangeboten. 

Martin Wendl (mitarbeiterkarten24.de)

Wir beraten Selbständige, Freiberufler und Personalverantwortliche in mittelständischen Unternehmen unabhängig und objektiv über betriebliche Mitarbeiter- und Versorgungsmodelle unter Nutzung steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Optimierungsmöglichkeiten.

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